Diverse Gedichte

geschrieben von Monika Minder, 2012

Wenn die Welt sich verwandelt

Seltsam, wenn die Welt sich verwandelt
Und Winter sich über die Zeit stellt,
Wenn wir im Dunkel wandern
Und Einsamkeit uns von allem trennt.

Keiner ist weise, der nicht die Geduld kennt.
Alles braucht Stille, braucht Zeit,
Braucht Vertrauen in das Leise der Welt,
In das Wachstum jeder dunklen Zeit.

(© Monika Minder, Dez. 2012)

Weihnachtszeit

Weihnachtszeit
Zauberwelt
Glitzerkugeln
Flockenflaum
Kindertraum
Augen kugeln
Lichterglanz
Stiller Tanz
Zauberwelt
Weihnachtszeit.

(© Monika Minder)

Vielleicht

Vielleicht
Dass uns etwas erreicht
Ohne grosse Worte
Nicht irgendwann.

(© Monika Minder)

Zeit geht

Deine Schritte
eine Uhr, die abläuft
Wie eine Kerze
die herabbrennt
bis zum teigigen Wachsfluss.

(© Monika Minder)

Wer Blätter je gesehen hat

Wer Blätter je gesehen hat
im Winter
und Blumen
Dessen Buch ist noch nicht
zu Ende geschrieben.

(© Monika Minder)

Vielleicht

Vielleicht
dass sich unser Mund wieder öffnet,
um der Seele Luft zu machen
und um unsere seelenlos gewordene Welt
zu beseelen.

Vielleicht
dass sich unsere Sprachen wieder finden,
um auszudrücken, was bewegt
statt uns in Worten auszuweichen.

(© Monika Minder, Nov. 2012)

Was wir haben

Was wir haben, wollen wir nicht teilen,
was wir teilen können, brauchen wir nicht.
Was wir sind, wollen wir nicht bleiben,
wo wir hinwollen, kommen wir nie an.
Was wir suchen, wollen wir nicht finden,
was wir finden können, suchen wir nicht.
Was wir sind, wollen wir nicht schätzen,
was wir leben, wollen wir nicht sterben.

(© Monika Minder, Nov. 2012)

Nach einer Idee von Thomas Brasch; "Was ich habe, will ich nicht verlieren".

Wohin

Wohin
mit all der Sehnsucht
in einer Welt, wo jeder Zauber
messbar geworden ist
und Seelen in Machthänden liegen
die wie Fische an Land
nach Luft schnappen.

(© Monika Minder, Nov. 2012)

Mit der Zeit sind mir Flügel gewachsen

Lange wusste ich nicht,
dass ich den Schmerz noch brauche,
damit der Winter nicht so sprachlos wird.
Doch mit der Zeit
sind mir Flügel gewachsen.
Der Schmerz,
wenn du in mich eindringst
mit deinem Schweigen,
wird täglich weniger.

(© Monika Minder, Sept. 2012)

Wenn der Wind Bewegung bringt

Wenn der Wind
Bewegung bringt
und Schnee sich
auf die Matten singt

Dann zieht der Tod
an der Geduld
und Blumen des Untergangs
sehen der Seele auf den Grund.

(© Monika Minder)

Nichts mehr muss sein

Nichts mehr muss sein
Kein ab und zu
Kein Schein
Kein Vielleicht
Kein Zeitvertreib
Kein wir werden sehen
Keine zornigen Tränen
Kein Herz, das schreit
Keine Risse in den Adern
Keine Hoffnung, die tötet
Kein Schmerz, der weint
Nichts Unnötiges.

(© Monika Minder)

Sommerende

Jetzt bist du gegangen du sonnengelbes Luder.
Lach nur nicht, der Herbst hat auch sein Bunt.
Er ist mit seiner Ernte uns ein wirklich Guter
Und seine Beeren schmecken jedem Mund.

(© Monika Minder)

Spätsommer

Noch wärmt der späte Sommer Tag für Tag
Und lässt uns einmal noch entführen.
Wer Träume hat und mag
Lässt seine Jugend sich noch spüren.

Im Geheimen liegt ein Wehmutsschmerz,
Ein jeder Sommer muss sich häuten.
Golden tanzen Blätter sich ins Herz,
Im Sinn der Lebenszeiten muss wieder eine uns entgleiten.

(© Monika Minder)

Sommer

Tage, die in die Leere gehen
Flimmernde Mittagsglut
Mücken surren
Ausharren in der Ruh.

Schatten, die kaum länger werden.
Kein Wind, der Kühlung bringt.
Die Zeit will reifen, wachsen, werden -
Nur ein Vogel singt.

Der Sommer lobt noch immer seine Zeit
Mit ihrer Sonnen Schöpferin.
Im engen Dasein macht sie weit,
Fügt sich Natur der Lenkerin.

Nur der Mensch scheint von dieser Tugend weit entfernt.
Kein Reifen, Wachsen, Werden.
Im Lebenssommer nichts gelernt.
Wer soll ihm nur den Winter wärmen?

(© Monika Minder)

Sonntagmorgen

Sonntagmorgen
Die Kirchturmuhr schlägt.
Je nach Wind höre ich sie
mal lauter, mal weniger laut.

Diese Kirchturmuhr übrigens
nimmt die Zeit noch besonders ernst.
Sie schlägt viertelstündlich
und Sonntagmorgen besonders lange.

Man müsste auf die Knie gehen,
aber dazu bin ich viel zu müde.
Und überhaupt, wer will heute noch laute Uhren,
wo das Ticken aus der Mode gekommen ist und nervös macht.

Wer will schon wissen, dass die Zeit vergeht? -

Und dann,
irgendwann ist es zu spät!

(© Monika Minder)

Jeder Windhauch

Jeder Windhauch
spricht von einem neuen Werden.
Aus jeder Knospe
schwillt uns ein neuer Takt entgegen.

Enge Hügel werden weit.
Das Schwere schmilzt.
Die Natur zeigt,
Was der Mensch oft nicht vollbringt.

(© Monika Minder)

Manchmal

Manchmal
Verabrede ich mich mit einem Lied
Und spiele mit der Zukunft.
Ich lebe Abschied
Und schmück' mich mit Vernunft,
Denn keine Zeit währt ewig
Keine Blume, die nicht verblüht,
Und wenn der Anfang
Vom neuen Morgen
Mir um die Seele weht,
Dann weiss ich, dass ein Zauber
In jedem Schicksal steht.

(© Monika Minder)

Schein

Auch hier viel Klatsch und Schein
Gespräche machen nicht mehr heiss
Menschen sind gemein
Humor macht klein.

Existenzen zerfranst
Verkalkt und leer
Wichtigtuerei und Neid gestanzt
In der ewigen Wiederkehr.

- © Monika Minder -

Nie war ich so traurig

Langsam
kann die Seele sich erwärmen
und das Herz
sich mit dem Frühling mählen.

Nie war ich so traurig
nie so alt gewesen.
Nie waren Kompromisse so faulig
so unverhältnismässig.

Entfernt von tiefster Sehnsucht
die man würdig nennt.
Auf ewiger Flucht,
den wirklichen Weg verneint.

Jetzt trag ich Blut noch auf den Lippen,
ein um Verzeihung bitten,
indem ich mit viel Mut
als dein Werkzeug mich entpuppe.

(© Monika Minder)

Schatten

Schatten werden in mir belichtet
Wollen nach aussen dringen.
Hier ein Ausschlag, dort eine Allergie,
Die Haut beschichtet mit ungelebter Energie.

Grenzen öffnen und schliessen
Heiss oder kalt sein
Sich vor der Liebe nicht verschliessen
Leidenschaftlich am Leben sein.

- © Monika Minder, 16. März 2012 -

Allein sein

Ich möchte mit mir allein sein.
Vielmehr nocht mit mir sein.
Was früher gewesen,
Kann nicht genesen,
Solange es noch ist,
Sich genährt verfrisst.

Die Zeit kommt nie wieder.
Kein Mai, kein Flieder.
Uhren mit rasenden Zeigern
Machen mich feiger.
Allein sein in meinen Kissen,
Schauen, ob ich dich je vermisse.

- © Monika Minder, 11. März 2012 -

Hadern

Wenn nur das Hadern nicht wäre,
Mit dem Abgrenzen und Nein sagen.
Ich glaube, ich könnte viel mehr vom Leben haben.

Auseinandergehen, immer mehr.
Dein Beleidigtsein tut weh.
Es ist ungerecht.
Nur warten ist auch schlecht.

Im Zweifel bin ich oft wie von Sinnen,
Denke, heut gelingt mir ein neues Beginnen.
Die Tage verhungern ohne getan zu haben,
Ich schreie vergebens in die quälenden Fragen.

- © Monika Minder -

Gelassen lebt sich das Jahr

Gelassen
lebt sich das Jahr
in seinem Ritual.

Ich sammle Tage
wie andere Briefmarken
und suche Brücken,
um Ufer verlassen zu können.

Denn Ufer verlassen muss man,
will man den Fluss überqueren,
sagt Gandhi.

Es ist vieles anders geworden
und doch zu vieles gleich geblieben.

(© Monika Minder)

Ich warte nicht

Ich warte nicht auf dich im Abendwind
Er würde weitergehen
Ohne dass unser Glück nochmals beginnt
Und Worte würden nur noch leerer.

Wenn man müde ist vom Flüchten
Kann man nicht mehr träumen
Und nur immer düster
Wird das Meer sich bäumen.

(© Monika Minder)

Das Sterben ist nicht das Schweigen

Das Sterben ist nicht das Schweigen
Die Krankheit nicht der Fluch.
Im Verlernen der Welt wird sich zeigen
mit welchen Worten du Leben verbuchst.

(© Monika Minder)

Der Zeit entgegen

Ich lebe in poetischem
und wachsendem Ringen
einer Zeit entgegen,
die ich nicht allein bestimme,
jener ich aber viel Geborgenheit zutraue.

(© Monika Minder)

Wenn ich nur meine Seele in deiner getragen wüsste

Wenn ich nur meine Seele
in deiner getragen wüsste
und das schwankend Schwere
nicht sichtbar werden müsste.

So führt sie mich durch lauter Gefahren
durch endlosen Winter
mit Knospen, die nie ausfahren
und nackten Zweigen dahinter.

- © Monika Minder, 25. Febr. 2012 -

Sie nur

Sieh nur
wie die Sichel am Himmel hängt
und die Zeichen meiner Seele ans Fenster schreibt.
Es spiegelt sich ein Schrei
etwas reisst sich von den Ketten frei.

Du sagst, es kommt, wie es kommt
und dann werde es schon passen.
Wie ich diese Sprüche hasse!

- © Monika Minder, 24. Febr. 2012 -

Zweifel

Ich kann mich nicht retten,
mich nicht erlösen.
Zweifel wetten,
um Gut und Böse.

Ich suche nach einer tröstenden Hand,
nach einer Mutter, die sagt: es ist gut!
Doch was ich fand,
war ohne Mut.

- © Monika Minder, 23. Febr. 2012 -

Die Sonne glänzt den Schnee

Die Sonne glänzt den Schnee
ohne ihn zu schmelzen.
Eisig kalt, der Nordwind weht.
Meisen singen,
klagen, tanzen auf Zweigen,
warten auf Futter,
steigen,
fallen, futtern.

Ein emsiges Treiben.
Ein Kommen und Gehen.
Angst in den Zweigen,
dann wieder schweigen.

Die Stille eines eindunkelnden Tages.
Röte überm Tal.
Kein Wagnis.
Nur Winterqual.

- © Monika Minder, 21. Febr. 2012 -

Winterseele

Winter beherrscht immer noch die Tage.
Die Nächte sind kalt.
Auf der Strasse sind Schneereste
zu Eiskrusten erstarrt.
Autos knirschen beim Drüberfahren.

Weit weg sind sommerliche Düfte.
Frosthauch hat meine Zunge zerbissen.
Keine Liebe flüstert.
Eiszeit,
vielleicht befristet.

- © Monika Minder, 20. Febr. 2012 -

Trübe Tage

Woche für Woche
Stur vor mich hin
Waschen und Kochen
Suchen nach Sinn.

Arbeiten und fragen, wer ich bin
Tage vertrödeln ohne zu landen
Keine Zukunft winkt
Nichts verwandelt.

- © Monika Minder, 19. Febr. 2012 -

Geduld

Gegen Abend hat es wieder geschneit
Erneutes Üben in Geduld
Zeichen gegen die eilende Zeit
Gross gegen klein und wund.

- © Monika Minder, 19. Febr. 2012 -

Februar

Wasser tropft von den Dächern
Strassen glänzen
Letzte Schneereste
Fenster blenden.

Nackte Bäume auf weitem Land
Sonne und Glück
Nasser Schnee in einer Kinderhand
Die Vögel sind sicher bald zurück.

(© Monika Minder)

Voll und rund

Der Mond schleicht um die Häuser
Gespenstisch malt er Schatten an die Wände.
Irgendwo tanzen Mäuse
Und klatschen vergnügt in die Hände.

Das Leben könnte so voll und rund sein,
Wie dieser Gelbe da.
Vielleicht aber ist ein Nein
Gerade das bessere Ja.

(© Monika Minder)

Wir können ...

Wir können laufen, aber
wir haben verlernt zu gehen.
Wir können saufen, aber
wir haben verlernt den Schoss der Mutter zu verlassen.
Wir können auf den Mond fliegen, aber
kommunizieren können wir nicht.
Wir können weite Reisen machen, aber
die Türe ins Freie finden wir nicht.
Wir können wachsen, aber
blühen können wir nicht.

(© Monika Minder)

Du hast gelitten

Du hast gelitten
wolltest sterben.
Doch zwischen den Zeilen
gibt es noch Leben.

(© Monika Minder)

In diesem Winter

In diesem Winter nicht zu reisen
In der Sehnsucht still zu stehen
Mit den dunklen Tagen
Ein und aus zu gehen.

Sich an sich selber zu vergeben
Zeit vergeuden
In einem abgelebten Leben
Darauf immer wieder ein leiser Schnee fällt.

(© Monika Minder)

Dein neuer Morgen

Das Gestern ist schon Traum
Die Zeit voll Hoffnung neu.
Es möge Glück und Raum
In deinem neuen Morgen sein.

(© Monika Minder)

Zeiten

Nicht alle Schritte
gehen mit der Zeit.

Der eine nimmt die Tritte
in die Ewigkeit.

Der andere trifft in der Mitte
seine Seligkeit.

Die meisten jedoch schlittern
durch eine schlimme Zeit.

Und die, die nie geritten
in der süssen Teufelswelt,
die haben nie gestritten
mit der eignen bittren Zeit.

- © Monika Minder -

Alle Güter dieser Welt

Alle Güter dieser Welt
Bringen nicht das Glück,
Sie fördern dich nicht weiter
Und deine Seele bleibt zurück.

Denn alles, was du brauchst
Ist das, was in dir selber wohnt.
Das Licht, in das du tauchst,
Braucht Sonne und den Mond.

So wie der Frühling jeden Winter braucht,
Und die Freude jeden Schmerz.
Geld ist nur das, was vorüber rauscht,
Doch nie erwärmt dein Herz.

(© Monika Minder)

Manchmal

Manchmal brauchst du den Himmel über dir,
manchmal die schwarzen Wolken.
Manchmal die Stille
und auch mal das Laute.

Es ist der Wechsel dieser Welt,
der auch in Zukunft dich geborgen hält.

(© Monika Minder)

Ein neuer Anfang

Ein neuer Anfang zaubert sich
Auf Wegen in dein Angesicht.
Liebe schenkt ein neues Licht
Und dir zum neuen Jahr viel Glück.

(© Monika Minder, 1. Jan. 2012)

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