Vermischte Gedichte

geschrieben von Monika Minder, 2010

Erklär mir Schweigen

Erklär mir Schweigen
Würd ich dir gerne sagen,
Doch kein Befehl
Soll meine Lippen tragen.

Erklär mir Liebe
So wie du daran verzweifelst,
Vielleicht
Musst du dann nicht mehr schweigen.

Erklär mir diesen Blick
Der stark wie ein Gewitter ist
Und dürstend
Sich im Meer verstrickt!

Erklär mir das Vergessen
Wenn du noch Worte hast
Und dich dein Spiel
Noch immer in der Seele hasst!

Erklär mir Schweigen!

- © Monika Minder -

Die Tage trüben dahin

Die Tage trüben dahin
Du wanderst durch nasse Strassen.
Dein Kleid durchnässt bis obenhin.
Er hat dich verlassen!

Ein Auto hupt
Auf einer Strasse, auf der du alleine gehst.
Die Szene, die sich immer wieder abspielt
In deinem Kopf, der nicht versteht.
Du wusstest, es war vorbestimmt
Doch Abschied hattest du dir anders vorgestellt

- © Monika Minder -

Mit diesem Gedicht gibt es auch ein schönes Video von Bernd Töpfer: > Trübe Tage

Ein paar Blätter baumeln noch

Grau sind schon die Zweige
Ein, zwei Blätter baumeln noch
Wie nach langem Schweigen
Dir das Wort erlosch.
Das Lassen schmerzt in mir
Mag nicht mehr schreiten
Ein dürres Blatt weht sich zu dir
Erzählt von gestrigen Zeiten.

- © Monika Minder -

Diese Welt

Diese Welt musst du zuerst aushalten
Ich habe sie nicht ausgesucht
Sie hat mich gefunden
Mich heimgesucht.

Diese Welt findest du nicht in Büchern
Sie lebt nicht von Sicherheit
Sie ist nicht verwöhnt.
Diese Welt lebt vom stummen Schrei
Der lässt immer nur ein Fünkchen Hoffnung rein.

Diese Welt musst du zuerst begreifen
Damit du sie erträgst.
Da geht es nicht um Geld
Nicht um die grosse Welt.
Da geht es nur ums Annehmen
Ums Reifen und neue Wege gehen.

Diese Welt ist der grosse Sommer
in deinem Leben.

- © Monika Minder -




Flügelschlag des Falters

Am Eingang des Frühlings
Da wollte ich blühn.
Mit dem Flügelschlag des Falters
In die Ferne ziehn.

Nun ist der Herbst eingezogen
Mitten im Frühlingsflug.
Der Nebel verschleiert die Augen
Mein Falter trägt Tränen der Wut.

- © Monika Minder -




Der Himmel ist umgezogen

Der Himmel ist umgezogen
Die Winde rauschen traurig
Der Herbst kommt angeflogen
Die Tage gehen schneller.

Blätter rascheln unter Kindertritten
Der Hut des Nachbarn fliegt davon
Wir gehen schnellen Schrittes
Die Zeit eilt uns davon.

- © Monika Minder -




Herbstgesang

Bunte Gesänge des Herbstes
Der Wind weht sich wund.
Geborgen unter Ästen
Übst du dich in Geduld.

An Niemand schmiegt sich deine Wange
Das Warten legt keinen Himmel frei.
Die Nächte tropfen bange
Eine Sehnsucht in den Wein.

- © Monika Minder -




Um mein Leben

In diesen Tagen schmerzt es mich,
Weil ich mich erinnern muss.
Ich verdrängte um mein Leben,
Ohne Schmerz und ohne Lust.

In dieser Nacht lebt es mich weiter,
Weil die Vergangenheit sich auskotzen muss.
Ich sterbe um mein Leben
Und bleibe bis ich gehen muss.

- © Monika Minder -




Ein Morgen

Ein erster Blick durchs Fenster am Morgen
Müde noch sind die Gesichter
Weit weg die Sorgen
Kinder hüpfen und kichern
Von irgendwoher klappert Geschirr
Lebendigkeit dringt in meine Seele
Ich nehme die Zeitung, den Kaffee
Bequeme Schuhe
Schreiben, arbeiten, verstehen
Freundlich sein und wieder gehen.
Was will man mehr?

- © Monika Minder -




Nicht die Einzige

Mit leerem Blick
Steh ich am Strassenrand.
Noch deinen Zettel in der Hand.
... nicht die Einzige ...

Wie Spiesse peitschen die aufgeschwollenen
Regentropfen in mein Gesicht.
Schatten wie Schreie
Seelenleer
Als ob etwas in mir
gestorben wär.

- © Monika Minder -




Schatten

Verweilen unter Bäumen
Im gefleckten Schatten
Zeit versäumen
Ermatten
Lauer Wind kommt durchs Haar gestrichen
Die Hitze ist gewichen.

Wir trinken ein Glas Wein
Schneiden Wurst und Brot
Geniessen das Sein
Und warten auf das Himmelrot.
Bald ist August
Die Grillen zirpen
Die Nächte sprechen von Lust
Und roten Lippen.

Noch einmal träumen
Im Rausch deiner Liebe
Unter schattigen Bäumen
Das Blau des Himmels versäumen.

- © Monika Minder -




Der Sommer schlägt die Türe

Der Sommer schlägt die Türe
wehmütig in sein Schloss.
Noch tröstet uns das Grüne,
doch wie lange noch?
Seltsame Einsamkeit,
wenn die Sonne früher untergeht.
Melancholie weicht jeder Heiterkeit,
und das ewig wiederkehrende Lied weht.
Die Welt wird leiser,
wenn es nach Abschied schreit.
Demütig und weiser
singt der Wechsel der Ewigkeit.

- © Monika Minder -

Schweigen

Gedanken so trüb wie die Seele;
Kein Funken Hoffnung in Sicht.
Du duckst dich, weil es besser sei zu gehen.
Deine Zunge regt sich nicht.

Schweigen sei edel.
Du hast es so gelernt.
Zu lange habe ich auch geschwiegen,
Im Wissen um den Frieden.

Das Schweigen hat uns nicht weiter gebracht.
Wir haben nichts gelernt.
Dieses Leben steht unter Verdacht,
es gibt nichts mehr, was uns wärmt.

- © Monika Minder -

Seelenweh

Aufgeschlagen
Trage ich den Mantelkragen.
Nur für einen Augenblick
Bleibt der Horizont in Sicht.
Ich erstarre mit dem Schnee
Trage seelenweh.
Träume deine Lippen
Der Schnee verweht
Wie deine Schritte.

(© Monika Minder)

Liebeskampf

Du fliehst
Ich fliehe
Wollen ist noch
Ströme auch
Nicht halten
Will
Ich
Dich!
Manchmal
fluchen
Manchmal
Streicheln
Immer wieder wollen
Immer wieder weichen
Bis die Tränen
Langsam fehlen
Und das Hoffen
Sachte
Endet
In einem
Ich
will
Dich -

Nicht mehr!

(© Monika Minder)

Herbststurm

Der Wind erwacht und rasselt in den Büschen
Der erste Herbststurm trägt Blätter zu Grabe.
Was gibt es noch zu wünschen
Als ein paar milde Tage.

Durchbraust und trennungsweh
Suchen meine Blicke
Ein Ziel, das ich nicht seh,
Weil ich mich verstricke.

Der Herbst singt sein Lied
Die Krähen schreien.
Ewig wird es nie,
Doch befreiend.

(© Monika Minder)

Glück

Durch die grosse Welt gehen,
Lieder hören, Lichter sehen,
Leben bejahen, tief erleben,
Davon weitergeben -
Wenn auch nur mit einem Blick -
Das ist Liebe, das ist Glück!

(© Monika Minder)

Sommerfieber

Es raschelt in den Büschen
Von Süden zieht ein Wetter auf
Aus einem offenen Fenster wehen Wünsche
Die Bauern eilen mit dem Heu nach Haus.

Der grosse Sommer lag im Fieber
Die Seele hat sich wund geküsst
Der erste Donner neigt sich nieder
Wie wenn er nichts von deinen Sinnen wüsst.

(© Monika Minder)

Kraft nährt sich aus Freude

Kraft nährt sich aus Freude
und aus Leidenschaft.
Aus der Liebe,
die das Grosse schafft.

(© Monika Minder)

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